Die Stimme – Der eigene Klang

Die eigene Stimme… Was ist das überhaupt? Ein Organ? Ein Körperteil? Ein Musikinstrument? Muskeln, Resonanzräume? Ein Verständigungsmittel? –

Sicher eine Mischung aus allem und noch viel mehr. Die Stimme ist nicht nur ein kleines Organ das in unserem Hals sitzt. Sie ist der Klang, der dort entsteht und seine Resonanz zuerst in uns selbst und dann in den Zuhörern hervor ruft.
Die Stimme ein persönliches Merkmal, was wir nicht verändern können. Genau so wie unsere Augenfarbe, ist der eigene Klang etwas, was uns ein Leben lang begleitet und sich bestenfalls mit unserer Seele und unserem Körper gemeinsam weiter entwickelt.
Es kann schwere Folgen nach sich ziehen, wenn die Stimme in der Erziehung unterdrückt wird (zum Beispiel bei Kindern, die ständig dazu angehalten werden ruhig zu sein).
Stimmlich verunsicherte Menschen trauen sich nicht vor anderen zu singen und sprechen manchmal sogar betont leise. Nervosität bei Vorträgen und verbale Unsicherheit können eine Folge davon sein.

Oft wird die Stimme und ihre Verbindung mit der Persönlichkeit als körperliches Merkmal unterschätzt, da man sie nicht sehen kann. Trotzdem brauchen wir eine bekannte Person nicht zu sehen um sie wieder zu erkennen. Es reicht sie sprechen zu hören.
Wer eine Zeit lang Gesang- oder Schauspielunterricht hatte, konnte mit Sicherheit beobachten, wie seine Stimme nach Tagesform unterschiedlich klingt und das sich, wenn die Stimme sich langsam öffnet, auch mental etwas bewegt.
Schweigen war nie der natürliche Zustand des Menschen. Probleme bewältigt man am besten durch ein persönliches Gespräch und Gesang war seit jeher ein Ausdruck der Seele.
Aber er kann auch ein Weg zur Freude sein: Ebenso wie die persönliche Entwicklung die Stimme beeinflusst, beeinflusst das Anfreunden mit der eigenen Stimme die Persönlichkeit. Wer sich um seine Stimme kümmert, kümmert sich um seine Seele.

Im Umkehrschluss möchte ich nur noch einmal darauf aufmerksam machen, dass man mit der Kritik an der Stimme einer Person vorsichtig sein sollte. Ebenso wie das Aussehen ist sie etwas Einzigartiges, etwas eigenes – auch wenn man sie nicht sieht. Ein seltsamer Gedanke, in einer Welt in der wir durch Casting Shows gewöhnt sind, jungen Menschen dabei zu zu sehen, wie sie ihre Stimmen einer mehr oder weniger eloquenten Jury zur Bewertung vorwerfen.
Da erkennt man dann plötzlich sehr gut, dass auch die Stimme ein äußerliches Merkmal ist – Kann man sie doch ebenso wie körperliche Schönheit wunderbar vor Publikum und Kameras versachlichen, verkaufen und bloßstellen. Ob das den jungen Menschen in ihrer künstlerische, oder persönlichen Entwicklung weiter hilft ist fraglich.

Genau wie jeder Mensch auf seine eigene Art in einem entspannten Zustand schön sein kann – Ist auch jede Stimme in der Lage gut zu klingen. 

(verfasst am 22.12.2012 von Ayleén Bárbara Gerull)